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Bericht von Meta und Edi Schroll

AUGUST 2006

Auf unserer Reise zu den Nationalparks und historischen Plätzen des Westens waren wir auch 6 Tage im Pine Ridge Reservat. In der Singing Horse Trading Post nahe Manderson fanden wir einen guten Stellplatz für unseren Camper. Wir hatten großes Glück, denn in die Zeit unseres Aufenthalts fiel das große Powwow in Pine Ridge – ein einmaliges, farbenfrohes Erlebnis und „ Der Ritt gegen die Trunkenheit“,(Sobriety Ride) den die Horsemenship jährlich veranstaltet.

Mit Dolores, der Frau des Präsidenten der Horsemenship, Wendell Yellow Bull fuhren wir raus in die Prärie. Hier an einem extrem heißen (ca. 40°C) und staubigen Platz hatten die jungen Teilnehmer des Rittes die Nacht verbracht und machten sich und die Pferde nun bereit für den 3. und letzten Tag des Rittes.

Alle Reiter, Kinder und Jugendliche hatten sich im Kreis aufgestellt und hörten die Gebete auf Lakota und die guten Wünschen eines Ältesten für den bevorstehenden Ritt.

Wendell Yellow Bull ging anschließend mit Salbei zum räuchern zu jedem Pferd und Reiter. Die Stimmung war sehr feierlich und wir genossen es dabei sein zu können, trotz der großen Hitze, dem Wind und dem Sand im Mund und Augen.

Der Aufbruch war der Gleiche wie überall auf der Welt – ein paar übernehmen die Führung und stürmen voraus, ein großer Teil bildet die Mitte und ein paar mit Startschwierigkeiten, weil die Pferde bockten, den Schluss.

Die ca. 50 Reiter ließen erahnen welch große und stolze Reiternation die Lakotas einst waren. Sicher und stolz präsentierten sie sich auf ihren Pferden. Viele mit Sattel, einige nur mit Satteldecke und einige ohne Decke und Sattel. Aber alle beherrschten ihr Pferd gleichermaßen und saßen beneidenswert sicher auf ihrem Pferd.

Einige Stunden später warteten wir schon auf halber Strecke nach Pine Ridge irgendwo auf offener Prärie auf die müden und durstigen aber glücklichen und selbstsicher wirkenden jungen Reiter. Mit Jubel und Geträller stürmten sie auf uns zu.

Jeder bekam eine Flasche mit einem halben Liter Wasser, dass sich die Kinder mit ihrem Pferd teilten. Während der Rast ließen sie die Pferde von dem völlig verdörrtem Präriegras fressen. Kein deutsches Pferd würde dieses Futter akzeptieren.

Der Ritt ging quer über die Prärie bergauf und bergab ohne jeglichen Schatten und es wurde immer heißer. Am Nachmittag ritten die erschöpften Reiter und ihre Pferde auf dem Powwow Platz in Pine Ridge ein.

Man konnte sehen und spüren wie stolz und glücklich sie alle waren nach 3 Tagen mit je 8 Stunden im Sattel ihr Ziel erreicht zu haben. Sie hatten Hitze, Wind, Durst Hunger und manche auch Schmerzen von Stürzen und kleineren Unfällen mit den Pferden ausgehalten und durchgehalten!

Das gibt diesen Kindern die durchwegs aus sozial sehr schwachen Familien kommen eine große Bestätigung und Selbstsicherheit. Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und die Arbeit mit den Pferden wirken sich ohnehin positiv auf die körperliche und geistige Entwicklung junger Menschen aus.

Das sind gute Voraussetzungen um den täglichen Verlockungen von Alkohol und Drogen zu widerstehen.

Wendell Yellow Bull und andere Aktive der Horsemenship leisten vor und während des Rittes ebenfalls Großes. Die Organisation des Ritts und die Verantwortung für die Kinder und die Pferde werden sehr ernst genommen. Aber der Aufwand lohnt sich sehr.

Wenn man die Lakotakinder im Umgang mit den Pferden beobachtet, geht einem das Herz auf. Es machte uns als Beobachter glücklich. Wir empfanden große Freude und waren dankbar, dass wir dabei sein durften und sehen konnten wie Kind und Pferd eine wohl angeborene Einheit bilden.

Wir sind der Meinung, dass diese Organisation unbedingt unterstützt werden soll.

 
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