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Little Bighorn Ride 2008

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Wir fahren am 24 Juni nach Montana um unsere Lakota Freunde am Little Bighorn zu treffen und am nächsten Tag am Memorial Ride teilzunehmen. Die Fahrt führt uns zunächst entlang des US Highways 212 durch Nordost-Wyoming und Montana durch das wunderschöne Powder River Land. Hier lagen Ende des 19. Jahrhunderts die Jagdgründe der letzten freien Lakota und Sheyelas (Cheyenne), die sich den Aufforderungen des Militärs widersetzten und an ihrer traditionellen Lebensweise festhielten.

Die knapp 600 Km nehmen wir kaum war, das Autofahren macht bei der wunderschönen Landschaft und kaum Verkehr richtig Spaß. Die erste Nacht verbringen wir im Zelt in einem Camp unweit des ehemaligen Schlachtfelds. Die ortsansässigen Cheyenne bewirten uns am Abend mit BBQ und Fried Bread - die alte Allianz wird hier auch nach 130 Jahren noch gepflegt. Überhaupt ist das „schöne Volk“ sehr gastfreundlich und wirkt auf uns ein wenig organisierter als seine wilden Sioux Nachbarn.

Am nächsten Tag reiten wir die letzten 5 Meilen zum Battlefield. Tyler White Hawk leiht mir sein Pferd „Bulls Eye“ einen echten Mustang - der kennt allerdings keine Gangart zwischen Bummelschritt und Renngalopp. Wir formieren uns in verschiedenen Gruppen am Fuss der Hügelkette östlich des Little Bighorn Rivers. Danach gehts in wildem Galopp die letzte Anhöhe zu „Custers Last Stand“ hoch. Wendell Yellow Bull hat dabei eine nicht ganz ungefährlich Aufgabe. Er steht mit einem Eagle Staff auf der Hügelkuppe und wird von den Reitern im wilden Galopp umringt. Ziel dabei ist es, einen Coup zu machen d.h. den Stab mit dem eigenen Coupstick zu berühren. Da heißt es schon mal Kopf einziehen. Aber an dieser Stelle wurde auch schon heißere Schlachten geschlagen. So am 25.06.1876, als hier das Regiment von General G. A. Custer von einer Allianz bestehend aus ca. 2000 Lakota, Shyela und Arapaho-Kriegern komplett aufgerieben wurde, nachdem die 7.Kavallerie der US Armee versucht hatte die letzten „wilden“ Indianer in einer Zangenbewegung zu massakrieren.

Meine zwei Damen und die anderen Zuschauer beobachten das Treiben aus sicherer Entfernung und bekommen später unsere Coup Sticks. Es folgen indianische Zeremonien und Ansprachen durch verschiedene Stammesälteste und Spirituelle Führer, die sich in erster Linie an die jungen Leute richten.

Das offizielle Kriegerdenkmal für die gefallenen amerikanischen Soldaten wurde in den letzten Jahren auf Drängen von indianischen Aktivisten von „Custers Last Stand“ in „Indian War Memorial“ umgetauft. Zumindest eine kleine Korrektur in die richtige Richtung, hatte man den größenwahnsinnigen Massenmörder Custer doch bis vor wenigen Jahren noch als nationale Ikone verehrt.

Die meisten Lakota aus Pine Ridge, Rosebud und Standing Rock fahren noch am gleichen Tag nach Hause, viele waren ja auch schon seit Tagen unterwegs bei hochsommerlicher Hitze um die 40°C. Wir aber bleiben noch ein paar Tage und sehen uns u.a. im Crow und Cheyenne Reservat ein wenig um.

Die Landschaft zwischen dem Powder und Tongue River ist auch heute noch atemberaubend schön und wild und zudem kaum besiedelt. Kein Wunder also, dass die Lakota an diesem Landstrich lange so verbissen festhielten. Wir geraten noch in ein schlimmes Gewitter das uns zu einer Notübernachtung in Lame Deer zwingt.

Tags darauf fahren wir dann zum Devils Tower in Wyoming und zum Bear Butte in South Dakota. Beides aber vor allem der Letztgenannte spirituell sehr bedeutsame Orte für viele Natives aus ganz Nordamerika. Der Berg strahlt wirklich eine unglaubliche Kraft und Würde aus. Wir geraten noch in ein lustiges Treffen von Althippies, Visionssuchern und New Age Aposteln und übernachten notgedrungen mit in deren Camp. Der Neo-Hippie des 21. Jhds fährt statt umgebautem VW Bus ein SUV mit 25 Liter Spritverbrauch - dafür aber mit „Free Tibet!“ Aufkleber - das versteht sich ...

Bilder & Text: Andreas Baumann

 

Kurzbericht vom Crazy Horse Ritt 2008 als PDF Download

 

 
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